Theateraufführung an der Uplandschule zeigt Dynamik des Mobbings

Eigentlich beginnt es gut zwischen Franzi (Sonja-Elisabeth Martens, links) und Lena (Lorena Steffl) – doch die Aufführung an der Uplandschule zeigte, wie schnell Mobbing entstehen und eskalieren kann. Foto: wilhelm figge

VON WILHELM FIGGE

WLZ, 15.03.2022: Willingen – Als Lena denkt, ihre Sitznachbarin Franzi wolle bei der Lösung der Matheaufgabe an der Tafel mithelfen, und ihr versehentlich die Kreide an den Kopf wirft, lachen einige Schüler in der Aula. Auch als die gekränkte Franzi sie zu ärgern beginnt, löst die blanke Dreistigkeit noch das ein oder andere Kichern über das Stück aus. Doch den Schülern der fünften bis siebten Klassen der Uplandschule vergeht das Lachen schnell, als der harmlos scheinende Ärger Schritt für Schritt eskaliert. Keine Stunde dauert es, da sind Lorena Steffl und Sonja-Elisabeth Martens vom Weimarer Kulturexpress bei Nervenzusammenbrüchen, Bloßstellung im Internet und drohender Gewalt angelangt.
Es ist ein nachvollziehbares Szenario, in dem die behütete Lena (Lorena Steffl) gar nicht weiß, wie ihr geschieht. Nach einer ungewollten Kränkung regt sich in der klugen, aber vernachlässigten Franzi (Sonja-Elisabeth Martens) die Eifersucht. Es beginnt mit fiesen Sprüchen, manchmal versteckt sie Sachen der Mitschülerin. „Das war ein Spaß“, heißt es dann. Franzi wundert sich, warum sie damit durchkommt, beginnt Lena herumzukommandieren, bloßzustellen und zu sabotieren. Parallel verbreitet sie im Internet erst doofe Sprüche und peinliche Fotos, was Schritt für Schritt zu persönlichen Geheimnissen und Aufnahmen aus der Umkleide ausufert. Am Ende stehen zwei Mädchen, die sich hassen – einander und sich selbst.
Die Schüler verfolgten das Stück ruhig und aufmerksam, und nehmen praktisch die Rolle der Klassenkameraden ein. Am Ende können sie sich mit den Schauspielerinnen ausführlich über das Geschehen unterhalten. Im Unterricht werde Mobbing immer wieder thematisiert, erklärt Lehrerin Jasmin Sender – der Perspektivwechsel durch das Stück stärke das. Es falle in den Rahmen eines umfangreichen Präventionskonzepts, teilt Schulleiterin Barbara Pavlu mit: Darin würden die Themen Klassengemeinschaft, Teamtraining und „Gemeinsam Klasse sein“ gestärkt, um Mobbing und Ausgrenzung früh aufzudecken und zu vermeiden. Finanziert wird das Stück durch das Landesprogramm des Hessischen Kultusministeriums „Löwenstark“. Die Organisation obliegt dem Schulberatungsteam.
Die Schauspielerinnen haben am Ende Ratschläge: „Macht bei Cybermobbing Screenshots, sammelt Beweise“, sagt Lorena Steffl. „Und verlasst Gruppen, die nur darauf aus sind, euch fertig zu machen. Auch wenn ihr dann nicht alles mitkriegt.“ Wer sich fühle wie Lena, müsse mit anderen reden, betont Sonja-Elisabeth Martens. Und wer sich in Franzi wiedererkenne solle wissen: Es muss nicht so kommen.
Nicht über jeden dummen Spruch lachen, nicht immer einen draufsetzen, nicht einfach zuschauen: Diese Botschaft sei angekommen, sagt Martens. Denn als die verzweifelte Lena am Ende sagt, dass sie zur Polizei geht, habe sie sich über einen Kommentar aus dem Publikum gefreut: „Ich komme mit dir.“