Abschied von der Haupt- und Realschule

„Wir waren wie eine große Familie“

WILLINGEN (bk). „Hat vielleicht jemand ein Taschentuch für mich?“ Es gab eine Menge Tränen bei der Verabschiedung der Haupt- und Realschüler, speziell bei den jungen Damen. Dabei sind die Zeugnisse der meisten Jugendlichen ausgesprochen gut ausgefallen. An den Noten lag’s also nicht, sondern es machte sich bei aller Freude über den Schulabschluss durchaus auch ein Hauch von Abschiedsschmerz breit. Pascal Sahrhage, Klassensprecher der R10b, nannte den Grund: „Wir waren wie eine große Familie.“

Die Jungen und Mädchen der beiden Realschulklassen R10a und R10b der Willinger Uplandschule mit ihrer Klassenlehrerin Monika Lange-Figge. (Fotos: Ulrike Schiefner)

Die Jungen und Mädchen der beiden Realschulklassen R10a und R10b der Willinger Uplandschule mit ihrer Klassenlehrerin Monika Lange-Figge. (Fotos: Ulrike Schiefner)

Schulleiter Norbert Volkwein brachte es auf den Punkt: „Ihr habt Freundschaften geschlossen, Cliquen gebildet, Ausflüge und Klassenfahrten als die eigentlichen Highlights eurer Schulzeit genossen.“ Die Routine des Schulalltags gab den Schülerinnen und Schülern auch ein Gefühl der Geborgenheit. Dennoch waren die Jahre an der Mittelpunkt- und späteren Uplandschule „kein artengeschütztes Leben in einem Feucht- oder Trockenbiotop“. Aus dem lauen Lüftchen, das den Jugendlichen in Form der täglichen Leistungsanforderungen entgegenwehte, entwickelte sich gelegentlich ein Unwetter, das tennisballgroße Hagelkörner – also schlechte Noten – auf die Schüler niederprasseln ließ. „Schutz vor diesen Unbilden des Wetters boten Anstrengung, Fleiß, Ausdauer und beharrliches Lernen.“
Der Direktor wies darauf hin, dass die Entlassschüler das erworbene und bei den Abschlussarbeiten bewiesene Wissen in zukünftigen Lebensräumen vertiefen und erweitern müssen. Er wünschte ihnen, dass sie sich den Herausforderungen stellen, die auf sie zukommen; dass sie auf den Rat der anderen hören, ohne sich verbiegen zu lassen; dass sie Verantwortung übernehmen und jederzeit für ein faires Miteinander eintreten.
Rektor Herbert Hellwig nannte einige interessante Zahlen. Alle 37 Realschüler haben die mittlere Reife, alle neun Hauptschüler den Abschluss, sieben sogar den qualifizierenden Hauptschulabschluss geschafft. „Insgesamt ein tolles Ergebnis, wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr bundesweit fast neun Prozent der Schulabgänger kein Abschlusszeugnis in der Tasche haben.“ Bei den Projektprüfungen im Hauptschulzweig erreichten drei Schüler die Note „sehr gut“. Bei den mündlichen Prüfungen beziehungsweise den Hausarbeiten mit Präsentation im Realschulzweig erzielten 17 Prüflinge eine Eins.
Hellwig machte deutlich, dass der Traumjob immer mehr vom Arbeitsmarkt abhängig ist. Er findet es erfreulich, dass im Vergleich zu den Vorjahren viele Schüler schon eine Lehrstelle gefunden haben. So beginnen vier Haupt- und 13 Realschüler eine Ausbildung. Viele streben auch einen höheren Schulabschluss an. Acht Realschüler wechseln beispielsweise in die gymnasiale Oberstufe der Uplandschule.

Die Schüler der H 9 mit Klassenlehrer Fridolin Erler.

Der Klassenlehrer der H9, Fridolin Erler, brachte ein Kinderbuch aus den 50er Jahren mit: „Schreck, der Geiger“ von Gretl Kaiser. Ihm fielen einige Parallelen zwischen Bienen, Schnecken, Ameisen, Heuschrecken und seinen bisherigen Schülern auf. Monika Lange-Figge erinnerte ans Jahr 2002, als sie die Klassenleitung der R5 mit damals 25 Kindern übernahm. Die Klasse wuchs im Lauf der Jahre auf 42 Schüler an und musste im neunten Schuljahr schließlich geteilt werden. Als besondere Höhepunkte der Realschulzeit nannte sie einen Fernsehauftritt, zwei Klassenfahrten an die Ostsee und die Abschlussfahrt nach Prag.
Bürgermeister Thomas Trachte gab den Entlassschülern eine Weisheit von Aristoteles mit auf den Weg: „Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.“ Er empfahl ihnen, zielstrebig auf ihr Ziel zuzusteuern, Klippen zu umfahren und sich auch durch gelegentliche Flauten nicht entmutigen zu lassen.
„Die Uplandschule war ein Zuhause, doch die Schulzeit war kein Zuckerschlecken“, betonte die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Annegret Behle. Sie ist überzeugt davon, dass die jungen Leute für die Zukunft bestens vorbereitet wurden.
„Macht’s wie Gott: Werdet Mensch“, rief Gemeindereferentin Ursula Beste den Haupt- und Realschülern zu. Sie gratulierte namens der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. Der stellvertretende Schulsprecher Daniel Oldemeier sprach für die Schülerschaft der Uplandschule. Die Klassensprecher Amelie Gerstenberger (H9), Isabell Meyke (R10a) und Pascal Sahrhage (R10b) dankten Lehrern und Eltern für vielfältige Unterstützung. Die musikalische Ausgestaltung der Veranstaltung übernahm das Bläser-Ensemble der UPS.

(WLZ vom 13. Juni 2008)

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