Cybermobbing in Theater an der Uplandschule thematisiert

WLZ, 25.10.2023: Willingen – Ein Mädchen greift nach den Sternen – und erntet Hass. Als die 17-jährige Lea von einer Casting-Agentur aufgenommen wird, startet ihre eifersüchtige Mitschülerin Nadine eine Lügen-Kampagne: Hass-Kommentare, Cybermobbing und Drohungen folgen. Die sind das Thema des Theater-Stücks „Fake oder War doch nur Spaß“, das Maximilian Neumann und Pia Novy vom Tournee-Theater Radiks aus Berlin an der Uplandschule in Willingen gezeigt haben.

Theater-Chef Karl Koch hat das Stück auf Grundlage von Gesprächen mit Gemobbten, Polizisten und Sozialarbeitern verfasst – so entstand die Geschichte von Lea: Nachdem ihre vermeintliche beste Freundin Nadine sie aus der Band drängt, hagelt es erst mal auf der Homepage Hasskommentare gegen den „Stinkfisch“, wie sie wegen des Fischgeschäfts ihres Vaters genannt wird. Ein Video, wie sie sich einmal auf einer Party übergeben musste, macht die Runde. Schließlich schlagen die Beleidigungen in Drohungen um: Nachrichten, dass jemand sie verfolge.

Im Zwei-Personenstück übernimmt Pia Novy auch die Rolle der Mobberin Nadine und gibt Einblicke in ihr Innenleben: „Lea beleidigen ist nun mal Sport geworden.“ Selbst wenn sie wollte, könne sie gar nichts mehr machen –sie habe nur angefangen.

Maximilian Neumann übernimmt vier Rollen: Leas Vater, der die Casting-Agentur ablehnt und ständig Streit mit seiner Tochter hat. Einen bemühten Lehrer, der keinen wirksamen Weg findet um einzugreifen. Leas Kumpel Jo, der erfolglos warnt, dass ihr Freund den Mobbern Futter liefert. Und letztlich eben diesen Andy, für den sie nur „eins von tausend Abenteuern“ ist. Am Ende bricht Lea zusammen und macht eine Therapie, Andy und Nadine kommen vor Gericht.

„Die Worte ,War doch nur Spaß‘ höre ich ziemlich oft, wenn es beim Chatten aus dem Ruder gelaufen ist“, erklärte Schulsozialarbeiterin Karin Stade, die das Stück im Rahmen ihrer Präventionsarbeit an die Schule geholt hat. Der Landkreis unterstützte es mit Fördermitteln.

Die Schauspieler leiteten ein Nachgespräch, bei dem Schüler über ihre Erfahrungen mit Mobbing sprachen: ob wegen Stotterns, leicht zu veralbernden Namen oder bloß, weil jemand keine Zusatzinhalte für ein Videospiel kauft. „Ich habe verstanden, dass die Probleme nicht bei mir liegen, sondern bei denen, die mobben“, blickte Neumann auf eigene Erfahrungen zurück.

Auch von lang anhaltendem Mobbing mit Aufforderungen, sich etwas anzutun, wurde berichtet. Pia Novy riet dazu, Anzeige zu erstatten – das sei trotz Strafunmündigkeit möglich und könne Konsequenzen haben: „Unter 14 hat man nicht so freie Hand, wie ihr denkt.“

VON WILHELM FIGGE