Tricksen, um zu lernen

Roller-Programm soll Grundschülern Sicherheit im Verkehr geben

VON WILHELM FIGGE

WLZ, 01.05.2021: Willingen – Mit nur einer Hand steuern, die Beine auf den Lenker legen oder gleich mit zwei Rollern auf einmal fahren – was die Zweitklässler der Uplandschule da auf dem kleinen Hof machen, gilt normalerweise nicht als sicheres Fahren. „Aber hier ist das erlaubt und erwünscht“, sagt Grundschul-Rektor Jörg Fuchs. Um Roller sicher als Fortbewegungsmittel im Ort nutzen zu können, sollen die Mädchen und Jungen seine Grenzen kennen: „Wissen, wann es kippelt – und wann der Roller abhaut.“
Alle Grundschulklassen in Willingen konnten das diese Woche austesten: Die Uplandschule hat beim Programm „UHK Rollerkids“ mitgemacht. „UHK“: Das ist die Unfallkasse Hessen, eine Versicherung. Die kommt etwa dafür auf, wenn Schüler in Unfälle verwickelt sind – und will sie lieber gleich vermeiden. Also hat sie sich mit einer Firma aus Südhessen zusammengetan, die für eine Woche einen Anhänger mit Rollern und Ausrüstung vorbeigebracht hat.
Wegen des Wechselunterrichts wuselt die halbe Klasse die auf dem kleinen Platz durcheinander, in diesem Fall zehn Schüler: So lernen sie, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Hindernisse zu umfahren. Sie probieren aus, wie weit ein einzelner Abstoß mit den Füßen sie bringt, wie sehr sich Steigungen und Gefälle auswirken, welche Kurven zu eng sind. „Wir testen auch verschiedene Arten, zu bremsen“, sagt Lehrerin Sonja Schulze.
Zum Programm gehören Slalom-Rennen, Ringe auf dem Helm balancieren oder auch einfallsreiche Spiele wie die „Mückenplage“: Einhändig fahren, dabei mit dem anderen Arm ein imaginäres Insekt verscheuchen und vor allem nicht kollidieren. Viel Zeit wird zum freien Fahren gegeben: Die Kinder sollen frei probieren und selbst Ideen entwickeln. „Das ganze gibt Sicherheit“, erklärt Lehrerin Inga Schneider – und mit Rollern seien Kinder sehr viel öfter auf den Gehwegen unterwegs als etwa mit Inlinern. Jörg Fuchs stimmt zu: Der Roller ist nicht nur ein Spielzeug, sondern ein richtiges Fortbewegungsmittel. Bei Familien-Wanderungen erleichtert er Kindern den Weg; größere versuchen sich in Scooter-Parks an Kunststücken; noch Studenten kommen mit Rollern schneller zur Uni, klappen sie zusammen und packen sie ein. „Auch die älteren Schüler stehen schon mal daneben und fragen, ob sie mitmachen dürfen“, erzählt Jörg Fuchs.
Auch weil Kinder in der Corona-Pandemie oft zu wenig Bewegung kriegen, zeigt die Schule sich froh über das Programm. Und möchte es in Zukunft wiederholen.

Das könnte Dich auch interessieren …