Herausforderung für die Schulen

Organisation teils schwierig

Schule im Lockdown: Die Klasse H9 an der Uplandschule in Willingen hat Präsenzunterricht und sitzt auf Abstand.

WLZ, 14.01.2021: Die Abschlussklassen kommen zur Schule, die mittleren Jahrgänge bleiben zuhause und für die Klassen 1 bis 6 ist die Präsenzpflicht aufgehoben: Dabei, wie viele dieser Schüler die Betreuung in der Schule wahrnehmen, zeigt sich ein sehr unterschiedliches Bild, erklärt Barbara Pavlu, Leiterin der Uplandschule und Kreisvorsitzende des Interessenverbands Hessischer Schulleitungen (IHS). „Während in einigen Schulen die Hälfte oder sogar mehr Kinder in der Schule betreut werden, gibt es Schulen, in denen nur wenige Kinder nicht von den Eltern betreut werden“, erläutert sie. Meldungen der Eltern waren derweil am Wochenanfang noch nicht vollständig, nachdem sich am Montag vor Schulstart die Mitteilungen von Bund und Ländern noch widersprachen und erst am Donnerstag die offizielle Information aus Wiesbaden zur Sache kam. Die Anwesenheit muss zur Planung für mehrere Tage angemeldet werden. Allgemein stellt die Situation die Schulen vor organisatorische Herausforderungen, sagt Barbara Pavlu: Präsenzklassen werden unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln unterrichtet, notfalls auch in zwei Räumen – der Unterricht muss also zweimal gehalten werden. „In der Zeit können die Lehrer natürlich auch nicht für das weitere Arbeiten ihrer Klassen sorgen, geschweige denn digital unterrichten.“ Ein Digitalunterricht in Kombination mit teilweise präsenten Kindern sei im Landkreis nicht möglich – dafür fehle schlicht die Infrastruktur, Gebäude seien nicht am Netz. In Südhessen sei das anders, heißt es auch vonseiten des Landesverbands der IHS. Die Netzanbindung reiche nicht aus, Digitalunterricht sei also nur in wenigen Räumen möglich. Folglich müssten Lehrer im Kreis diesen von zuhause aus abhalten, erklärt Barbara Pavlu. Sie seien für einige Stunden in der Schule und müssten dann von daheim die mit den Schülern verabredeten Termine wahrnehmen: „Das kann zu Kollisionen führen, denn nicht umsonst hat die Schule einen Stundenplan.“ Teils legten Lehrer in der Schule eigene Hotspots an. Lehrer wie Schüler haben zwar einen Schub im Bereich des digitalen Unterrichts erhalten und von Schulträger und Land gab es auch Geräte, um in sozial schwachen Familien die Ausstattung aufzubessern. Schwierig bliebe aber ein schwacher WLAN-Anschluss in den Haushalten. „Es war ein Problem, dass es Montag hieß: ,Die Schulen bleiben zu‘, Dienstag: ,Die Schulen sind Ländersache‘ und Mittwoch hat dann jedes Land doch wieder seine eigenen Maßnahmen erlassen, die dann Donnerstag mitgeteilt wurden“, bilanziert sie. Die Schulleiter wünschten sich den angekündigten Stufenplan – und zwar mit richtigen Stufen. Also beispielsweise Maskenpflicht ab einer Inzidenz von 50, ab 100 dann Anwesenheit der Abschlussklassen, Wechselmodell für alle anderen, ab 150 Wechselmodell für alle und ab 200 eine 14-tägige Schulschließung – immer mit Betreuung für systemrelevante Gruppen. Weitere Probleme: Wie werden Klassenarbeiten zurückgegeben? Wie werden die Noten besprochen? Auch wenn es „nur“ um die Halbjahreszeugnisse gehe, sei eine Begründung wichtig. Auch in der Frage, wie die Zeugnisvergabe überhaupt läuft, warten die Schulen auf Vorgaben.

von Wilhelm Figge

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