Michelle Göbel im Lehrgangsstress

Die talentierte Willinger Skispringerin [trainierte] in Oberhof

HNA, 22.08.2020: Seit Dezember hat Michelle Göbel keine vollständige Schulwoche mehr absolviert. Erst Lehrgänge und Wettkämpfe dann die Corona-Pause. Am Montag begann für die Willinger Skispringerin der Schulalltag in der Oberstufe, doch seit Donnerstag ist das Talent bis zum Sonntag beim D/C-Kader-Lehrgang des Deutsche Skiverbandes (DSV) in Oberhof. In den nächsten Wochen sind in Berchtesgaden und Oberhof auch die ersten Sommer-Wettkämpfe im Deutschlandpokal und im Alpencup eingeplant. Immer mit Abstand halten und entsprechenden Hygiene-Regeln, so wie auch bei den Trainingslehrgängen.
„Auf der Schanze ist das kein Problem. Da hat jeder seinen Bereich und sein Gate, auf dem er sich alleine und schon immer mit Abstand vorbereiten kann“, erzählt die Elftklässlerin. Anders ist das schon im Lift, wo nur eine begrenzte Zahl von Springerinnen zusteigen darf. „Auch an die Maske gewöhnt man sich.“ Auch muss immer wieder ein Fragebogen zum Corona-Risiko ausgefüllt werden, bei Problemen der zuständige Medizinpartner am Olympiastützpunkt informiert und angefragt werden. Die 16-Jährige Willingerin war zuletzt viel unterwegs. Zum Lehrgang mit dem A-Kader des DSV in Garmisch-Partenkirchen, dann in Oberstdorf, weil der geplante Lehrgang in Polen kurzfristig abgesagt worden war, mit der Willinger Trainingsgruppe von Jörg Pietschmann in Planica und anschließend wieder in Oberstdorf.
Nach ihrer Entscheidung, erst die Schulausbildung in der Heimat zu absolvieren, hat es dabei auch noch einmal Versuche gegeben, sie doch noch in das Bundesleistungszentrum im Allgäu abzuwerben, zumal sie doch ohnehin schon bei den Lehrgängen des Teams um Katharina Althaus und Bundestrainer Andreas Bauer regelmäßig mit von der Partie ist. Da aber auch der von den Eltern der Springerinnen und ihren Heimtrainern organisierte Fahrdienst zu den Lehrgängen und Maßnahmen bisher bestens funktioniert, gab es keinen Grund, dem Werben aus dem Allgäu zu folgen und die Entscheidung für Willingen und die Upland-Schule mit den bekannten Schulkameraden zu revidieren.
In Oberstdorf hat Göbel zuletzt auch kurz den neuen Verantwortlichen der Lehrgangsgruppe IIb, Thomas Juffinger, kennengelernt. „Er kam beim Athletiktraining mit den Jüngeren sympathisch rüber“, sagt sie. Auch mit ihrem neuen Material, dem Springeranzug und den Sprungski, kommt sie gut zurecht. Wie fast alle Skispringer hat sie aber auch die alten Latten immer mit dabei, um notfalls darauf zurückgreifen zu können. Im Schnitt der Anzüge hat sich etwas verändert, ihre Sprungski sind dem Gewicht angepasst jetzt etwas länger. Im Gepäck sind übrigens auch immer kleine Glücksbringer und die alten Startnummern. Ein bisschen Aberglauben gehört auch im Sport dazu.
Ihre Form sei im übrigen „noch nicht so wie gewünscht“, es gibt noch Luft nach oben. Es hatten sich kleinere Fehler eingeschlichen, den größten davon versucht sie jetzt auszumerzen. „Ich nehme am Schanzentisch mehr Höhe als Geschwindigkeit mit“, verrät sie fachmännisch dem Laien und hat dabei noch eine falsche Hüftstellung. Doch Fehler sind dazu da, um sie abzustellen. Wer Göbels Ehrgeiz und Fleiß kennt, weiß, dass ihr dies sicherlich bis zu den ersten, heiß ersehnten Wettkämpfen schon weitgehend gelingen wird.
Vor dem Deutschlandpokal der Skispringer am 5. und 6. September in Berchtesgaden gehen die Trainer Daniel Vogler und Catrin Schmid mit den Mädchen der Lehrgangsgruppe II indes nach Ingolstadt zu AUDI in den Windkanal. In Oberstdorf bereiten sich danach Göbel, Lilly Kübler, Alina Ihle und Anna Jäkle auf den ersten richtigen Wettkampf in Corona-Zeiten vor.

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