Horst Jarkow tritt in den Ruhestand

Ein Stück Urgestein der Uplandschule

Horst Jarkow mit der stellvertretenden Schulleiterin, Ilse Klingenberg, und seinem Abschiedsgeschenk, einem handgesägten Pinguin. Foto: Ulrike Schiefner

Süßigkeiten, Kugelschreiber und zum Abschied ein Riesenpinguin

Was verbinden Schüler, Kollegen und Ehemalige mit dem Namen Horst Jarkow? Die Antworten kommen wie aus der sprichwörtlichen Pistole geschossen: Kugelschreiber, Nappos und – wichtiger noch – Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Von Ulrike Schiefner

Willingen. Die Uplandschule ohne Horst Jarkow: Das ist nur schwer vorstellbar. Und Horst Jarkow ohne die Uplandschule: Ein Gedanke, an den sich der Oberstudienrat in nächster Zeit sicherlich erst noch gewöhnen muss. Aber er hat seine Pensionierung bereits um zwei Jahre aufgeschoben. “Eine Kollegin fand das so seltsam, dass sie mir sogar den Vogel gezeigt hat”, schmunzelt er. Im September wird er 67 und nach 39-jährigem Wirken an der UPS ist nun also tatsächlich die Zeit gekommen, sich in den Ruhestand zu verabschieden.
“Weg aus Willingen!”
Als Horst Jarkow im Februar 1975 seinen Dienst am Willinger Gymnasium antrat, war er der Benjamin im Kollegium. Damals hatte er, wie er seinen Kollegen dieser Tage beichtete, nur einen Wunsch: “Wieder weg aus Willingen”. Und wieso? “Die Wohnungssuche gestaltete sich schwierig, die Wetterlage war unschön und obendrein war ich noch unglücklich verliebt.” Schon nach wenigen Tagen legte er Schulleiter Adolf Welteke seinen Versetzungsantrag vor. Doch Horst Jarkow blieb dann doch. Er erlebte die Schulleiter Christfried Kublik, Gerhard Simon, Liselotte Maser, die das Amt mehrfach kommissarisch wahrnahm, Wolf Ekkehard Stiller, Harald Möllmer, Norbert Volkwein, der zum Schuljahresende ebenfalls in den Ruhestand tritt, und die stellvertretende Schulleiterin Ilse Klingenberg, die in den letzten Monaten die Verantwortung trug. Im Nachhinein ist Horst Jarkow sehr froh, dass es 1975 mit der Versetzung nicht geklappt hat. “Die 39 Jahre, die ich an der Uplandschule sein durfte, waren der absolute Glücksfall für mich.” Er ist dankbar für jeden Tag, den er mit Schülern und Kollegen zusammen sein durfte. Er hat nicht eine Nacht wegen irgendwelcher Schulängste schlecht geschlafen. Er hat gelernt, selbst mit den schwierigsten Schülern zu einem harmonischen Verhältnis zu finden. Er ist auf sie zugegangen und hat (manchmal unter vier Augen) klare Regeln mit ihnen abgesprochen.
“Schüler sind ja Arbeitgeber der Lehrer”, so der Oberstudienrat. Er hat von seinem Gehalt immer gern etwas abgezweigt und in Form von kleinen Geschenken an die Schüler zurückgegeben. “Er hat auch die Lehrer mit Süßigkeiten versorgt, um unserer drohenden Unterzuckerung zu begegnen”, lacht Ilse Klingenberg. Und er sorgte dafür, dass Kindern, Jugendlichen und Kollegen nie die Kugelschreiber ausgingen. Mit ausgefallenen Exemplaren steckte Horst Jarkow sogar einige Schüler mit seiner Sammelleidenschaft an.
Vorliebe für Rom
Großgig, freundlich, sehr gerecht: So charakterisieren ihn jetzige und ehemalige Uplandschüler. Sie erzählen von Studienfahrten mit Horst Jarkow, von seiner Vorliebe für Rom – kein Wunder angesichts seiner Fächerkombination (Latein und Religion). Anekdoten rund um die zehn Gebote machen die Runde. Da gab es zum Beispiel zwei Schüler, die nicht unbedingt zu den ganz Braven gehörten. Horst Jarkow begegnete ihnen vor einer Willinger Eisdiele. Sie bauten sich vor ihm auf und sagten die zehn Gebote auf – “unbeeindruckt von den umgebenden Passanten, und zwar nicht aus Jux, sondern mit aufrichtigem Herzen”. Dass es zur Belohnung ein Eis gab, versteht sich fast von selbst.
Der beliebte Pädagoge hinterlässt ein schwergewichtiges Abschiedsgeschenk, das er jetzt der stellvertretenden Schulleiterin Ilse Klingenberg übergab: Einen überlebensgroßen und drei Zentner schweren hölzernen Pinguin, den ein Kettensägenkünstler aus Winterberg angefertigt hat. “Dieses Tier lebt wie die Willinger in  einer kalten Region, strahlt  aber viel Freundlichkeit und Wärme aus – so wie die Uplandschule.”
Die guten Wünsche der Schulgemeinde begleiten Horst Jarkow auf seinem weiteren Weg und auf den gemeinsam mit seiner Frau geplanten Reisen an all jene Orte, die in seinem Leben von besonderer Bedeutung waren.

Zur Person: Horst Jarkow wurde 1947 in Stadtallendorf geboren. Nach dem Abitur an der Gesamtschule Kirchhain studierte er in Marburg und Wien evangelische Religion und Latein. Sein Referendariat absolvierte er an der Winfriedschule in Fulda. Im Februar 1975 trat er seinen Dienst an der Uplandschule an, 1977 wurde er zum Studienrat, 1992 zum Oberstudienrat befördert. Lange Jahre war er Sicherheitsbeauftragter der Schule. Horst Jarkow ist seit 1979 verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

WLZ vom17. Juli 2014

 

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